Business Mann jubelt

Erfolgreich bewerben mit 50+: Baue im alten Job clever vor

7.03.2021 | Bewerbung, Karriere, Unverblümt | 1 Kommentar

Kurz zusammengefasst

„Wenn du im Job unzufrieden bist, fackle nicht lang und spring!“ Meine Devise: Mit einem stabilen Rettungsschirm und einem weichen Rettungsnetz im Rücken, springt es sich genauso leicht, dafür aber viel sicherer. Deswegen empfehle ich dir, dich vor einem gewünschten Ausstieg aus deinem Unternehmen abzusichern und deine Kündigung clever zu planen.

Werde dir darüber klar, was du wirklich willst

Du bist aktuell noch in einem festen Arbeitsverhältnis und hast den enormen Vorteil, dass du ohne großen Druck planen und deine Zukunft gestalten kannst.

Was ist dein Wechselmotiv? Warum möchtest du wirklich weg? Damit du nicht nach der verflogenen Anfangseuphorie wieder unzufrieden und auf Jobsuche bist (es wird nämlich als Best Ager nicht leichter), ist es wichtig, dass du exakt weißt, warum dein aktueller Arbeitsplatz nicht länger in Frage kommt.

Werde dir bewusst, wie deine ideale Arbeitsumgebung in allen Facetten aussehen soll. Arbeitest du eher in einem kleinen Familienunternehmen oder dem Hochglanzkonzern? Welche Aufgaben willst du nicht mehr machen und welche kommen aktuell zu kurz? Welche Prioritäten kannst und willst du setzen? Wo bist du bereit Kompromisse einzugehen? Wofür stehst du und wofür soll sich dein Wunschunternehmen einsetzen?

Wie möchtest du deine wertvolle Lebenszeit verbringen? Je genauer du weißt, wie du in Zukunft arbeiten willst, desto zielsicherer kannst du suchen.

Was könnte dir zum Verhängnis werden?

Die meisten meiner Kunden machen sich zu viele Gedanken über vermeintliche „Nachteile“: Lücken, Arbeitslosigkeit, zu wenig Erfahrung in dem Bereich, schon eine Zeit lang raus aus dem Job und natürlich der Klassiker, das Alter über 50. Personaler erwarten keinen glatten, straighten, Lebenslauf. Aber sie möchten wissen, warum du auf den ersten Blick untypisch gewechselt hast und was du in offensichtlich inaktiven Zeiten getan hast.

Deswegen empfehle ich dir, dir vorher deine Begründungen zurechtzulegen und gerne schon in den Unterlagen eventuelle Nachteile „auszuräumen“.

Gerade wenn du dich auf eine Stelle in einer anderen Branche oder einem anderen Bereich bewirbst, benötigst du gute Argumente, warum du der ideale Kandidat für die Stelle bist und wo und wann du passende Kenntnisse erworben hast.

Eine grobe Orientierung kann dir auch der aktuelle Stelleninhaber geben. Was berechtigt ihn, seinen Job auszuüben? Hast du ihm etwas voraus? Oder fehlt dir womöglich ein notwendiges Zertifikat, das du jetzt schon erwerben kannst? Vielleicht verwendet dein gewünschtes Unternehmen eine andere SAP-Version und du kannst diese in einem Wochenendkurs erlernen und dich im Anschluss mit der Bescheinigung bewerben.

Schmiede einen handfesten Plan

Wie lange kommst du ohne ein festes Gehalt aus? Welche Geldreserven hast du, die du zur Not anzapfen kannst? Anhand welcher Kritierien stellst du fest, dass dein ursprünglicher Plan angepasst werden muss? Wann gibst du auf und suchst dir einen „Brotjob“?

Entschuldige, wenn ich dich jetzt von deiner Traumjob-Wolke herunterhole. Viele meiner Kollegen raten dazu, sich ins Job-Abenteuer zu stürzen und seinen Traum ohne Wenn und Aber umzusetzen. Ich bin der Meinung, dass sich der berufliche Traum viel leichter und mit einem besseren, sicheren Gefühl angehen lässt, wenn die Rahmenbedingungen geklärt sind.

Früher als Personalerin habe ich zu oft erlebt, dass Menschen übereilt mit der Kündigung gewedelt und danach lange gebraucht haben, um ihren Fuß wieder in den Job zu kriegen. Das möchte ich dir ersparen.

Spinne dir ein Sicherheitsnetz

Gerade wenn du unglücklich bist, juckt es dich vermutlich in den Fingern, sofort eine Kündigung einzureichen. Wenn die Situation für dich nicht gerade absolut unzumutbar ist, rate ich dir, dich vorab um dein „Sicherheitsnetz“ zu kümmern.

  • Agentur für Arbeit: Wenn du ohne „triftigen“ Grund kündigst, kann es zu Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld kommen. Natürlich gibt es auch hier Mittel und Wege. Beispielsweise kannst du einen Arzt konsultieren, der dir bescheinigt, dass deine Arbeitsstelle für dich nicht mehr zumutbar ist. Nimm mit der Arbeitsagentur vorher Kontakt auf und lasse dich beraten.
  • Rentenversicherung: Möglicherweise spielst du mit dem Gedanken, dir eine Teilzeitstelle zu suchen. Lasse dich dazu beraten, wie sich das auf deine späteren Rentenansprüche auswirkt. Wenn du mehrere Jahre im Ausland gearbeitet hast, kläre auch ab, wie diese Zeiten gewertet werden. Du kannst du eine unverbindliche kostenlose Rentenauskunft erstellen lassen. Wenn du Beamte*r bist, gibt es manchmal die Möglichkeit, frühzeitig in Ruhestand zu gehen, und „nebenher“ ohne große Anrechnung auf deine Bezüge eine Beschäftigung anzufangen. Nähere Informationen erhältst du bei der für dich zuständigen Versorgungsanstalt.
  • Betriebsrente / Betriebliche Altersvorsorge: Welche Ansprüche ergeben sich für dich? In der Regel erwirbst du dir erst nach 60 Beitragsmonaten, also 5 eingezahlten Beitragsjahren, einen Anspruch. Wenn du vor einer Kündigung also nur noch wenige Beitragsmonate füllen musst, verschiebe den Kündigungszeitpunkt ein wenig nach hinten.

Fordere ein Arbeitszeugnis an

Arbeitszeugnisse gehören heutzutage immer noch zum guten Ton. Die Personalabteilungen werden stutzig, wenn du längere Zeiträume im Lebenslauf nicht nachweist. Das Kopfkino geht an: Was hat er sich dort zuschulden kommen lassen? Was will er noch vor mir verschleiern? Stimmt diese berufliche Station womöglich gar nicht?

Deswegen rate ich dir, dir regelmäßig rund alle zwei Jahre, ein Zwischenzeugnis ausstellen zu lassen. Dann wird dein Arbeitgeber auch nicht so stutzig, wie wenn du „plötzlich“ nach 10 Jahren eines wünscht.

Gute Gründe für ein Zwischenzeugnis sind übrigens auch Vorgesetztenwechsel, eine Weiterbildung, die Übernahme zusätzlicher Aufgaben und betriebliche Änderungen.

Bring deine Bewerbung auf den neuesten Stand

Eine richtig gute Bewerbung, die all deine Qualitäten optimal unterstreicht, zu erstellen, ist ein gutes Stück Arbeit. Kümmere dich schon frühzeitig um ein gutes Gerüst.

  • Erstelle deine vorläufige Bewerbung. Überlege dir, welche besonderen Fähigkeiten, Talente und Erfahrungen, du vorzuweisen hast. Schreibe auch konkrete Beispiele und Erfolge in den Lebenslauf. Welche Inhalte könnten zu Nachfragen oder Nicht-Einladungen führen? Überlege dir, wie du diese entkräften und attraktiver erscheinen lassen kannst. Beispielsweise kannst du eine Arbeitslosigkeit wunderbar mit deinem ehrenamtlichen Engagement als Hygienebeauftragte in deiner Gemeinde füllen.
  • Mache dir danach Gedanken, welches Design zu deiner Wunschstelle passt und wie du die Inhalte schön verpacken kannst. Keine Sorge: Du benötigst keine Photoshop-Designvorlage mit auffälligen grafischen Effekten. Aber eine schicke, moderne Bewerbung „aus einem Guss“, die übersichtlich formatiert ist, ist ein großer Vorteil. Gerade, weil einige Personaler immer noch denken, du könntest nicht formatieren und würdest ein Layout aus den 90ern verwenden! So arbeitest du diesem Vorurteil geschickt entgegen.
  • Lasse ein aktuelles Bewerbungsfoto machen. Suche dir einen Fotografen, der sich auf Bewerbungs- und Karrierefotos spezialisiert hat. Schaue dir Fotografen-Websites mit Beispiel-Portraits an, die zu dir und zu deiner neuen Arbeitsumgebung passen. Gute Fotografen nehmen sich auch Zeit für eine ausführliche Beratung und besprechen mit dir, welches Outfit und welche Fotoart zu deinen beruflichen Zielen passen. Bitte verwende kein 10 Jahre altes Foto, damit du „jünger“ wirkst. Spätestens im Vorstellungsgespräch holt dich die Realität ein.

Wenn du alle Unterlagen vorbereitet und beisammen hast, sparst du dir viel Zeit und Stress. Denn du musst nur noch die stellenspezifischen Inhalte anpassen, wenn du deine Wunschausschreibung entdeckst.

Wirf dein Netzwerk und den verdeckten Arbeitsmarkt an

Rund 2/3 aller Stellen, gerade auch die „gehobenen“, werden nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern über Kontakte vergeben. Für mich stellt gerade jetzt der verdeckte Arbeitsmarkt eine riesige Chance dar, ganz ohne zermürbenden Einstellungsprozess, eine gute Stelle zu bekommen.

Wer kann dich wie bei deiner Jobsuche unterstützen? Traue dich, dir Hilfe zu holen.

  • Weihe deine Familie, deine Freunde, Nachbarn, den Bäcker um die Ecke Vereinskollegen, Mitsportler und Buchclub-Kontakte in deine Jobsuche ein. Bitte sie, die Augen für dich offenzuhalten und dich über attraktive Möglichkeiten zu informieren.
  • Befreie dich von dem Gedanken, dass du dich anbiedern würdest oder dass es eine Schwäche ist, dass gerade du in deinem Alter noch einmal auf Jobsuche bist. Die meisten Menschen helfen wirklich gerne weiter und du kannst dich auch revanchieren.
  • Bringe deine Profile auf LinkedIn, Xing & Co. auf den neuesten Stand. Platziere dort geschickt „Keywords“, nach welchen Recruiter suchen.
  • Konzentriere dich auf mehrere Netzwerke. Viel hilft in diesem Fall auch viel. Je weiter und breitgefächter deine Information gestreut ist, desto schneller und wahrscheinlicher ist es, dass du Empfehlungen und Tipps bekommst.

Ein aktives Netzwerk ist ein Hauptgewinn. Ich empfehle dir, auch wenn du (noch) keine Wechselabsichten hast, deine Bekanntschaften zu hegen und zu pflegen.

Zeige, was du kannst! Baue deinen Expertenstatus auf

Welche Sache kannst du so richtig gut? Worin bist du eine begehrte Fachkraft? Bei welchem Thema bist du eine Koryphäe? Wann fragen dich deine Kollegen um Rat?

Eines haben „Experten“ über 50 oft gemeinsam: Sie stapeln zu tief und sprechen nicht über ihre Leistungen und Erfolge. Das führt im Unternehmen dazu, dass sie bei Beförderungen übersehen werden. Dass sie die Arbeit machen und andere Kollegen, die sich besser darstellen können, die Lorbeeren dafür ernten. Dass sie immer in der zweiten Reihe bleiben. Im Bewerbungsverfahren setzt es sich fort: Sie werden abgehängt, übersehen und landen völlig zu Unrecht auf dem Absagestapel.

Die gute Nachricht ist, dass du schon vor deiner Bewerbung deine Autorität zeigen und so nach und nach deine Bekanntheit als Wissensträger steigern kannst:

  • Veröffentliche Beiträge mit „Hand und Fuß“ auf Social Media. Bekenne gern auch, wenn du eine Meinung hast, die nicht 08/15 ist.
  • Schreibe Fachartikel für das interne Wiki, Magazin oder Mitarbeiterzeitung.
  • Halte vor versammelter Mannschaft eine Rede. Deine Kollegen, die von dir überzeugt sind, sind wunderbare Multiplikatoren und tragen die Information über deinen exzellenten Vortrag nach außen.
  • Besuche Messen und Veranstaltungen deines Arbeitgebers, auf welchen du mit interessanten Branchenkontakten ins Gespräch kommst. Vernetze dich danach mit ihnen und vergiss auf keinen Fall, eine Visitenkarte einzustecken.

 

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1 Kommentar

  1. Sandra

    Das sind sehr gute Tipps und Anregungen. Danke, dass du das so nüchtern betrachtest und gleichzeitig den Weg ebnest. Das zeichnet deine Stärke und deinen Expertenstatus aus. Danke, liebe Marketa.

    Antworten

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