Berufliche Veränderungen fallen oft schwer - warum wir so sehr an diesen alten Zöpfen hängen...

Von alten Zöpfen und beruflichen Veränderungen

06.05.2020 | Karriere, Orientierung | 0 Kommentare

Kurz zusammengefasst

In diesem Artikel erfährst du, warum eine Reflektion so wohltuend ist und was uns zögern lässt, berufliche Veränderungen zu wagen.

Was hat Zöpfe abschneiden mit einem Jobwechsel gemeinsam?

Wann trauen sich Frauen und gönnen sich einen völlig neuen Look? Beispielsweise von hüftlanger Wallemähne auf Kinnlänge oder von Weizenblond auf Pechschwarz? Du vermutest richtig: Nach einer Trennung von ihrem langjährigen Partner.

Die Redewendung „Alte Zöpfe abschneiden“ stammt übrigens aus dem 18. Jahrhundert und geht auf den damals vorgeschriebenen Soldatenzopf zurück. Den besagten Zopf abzuschneiden hatte die Bedeutung, dass man von veralteten Denkweisen ablässt und Raum für neue Ideen und Denkweisen einräumt.

Was vereint aber nun die neue Frisur nach einer gescheiterten Beziehung mit einer beruflichen Veränderung in der Coronakrise?

So ähnlich wie mit einem neuen Look verhält es sich auch mit einer beruflichen Neuorientierung. Die größten und einschneidendsten Veränderungen im Jobleben gehen mit anderen persönlichen Veränderungen einher. So fällt auf, dass beispielsweise nach der Elternzeit gehäuft Umorientierungen stattfinden oder ein Umzug eine günstige Gelegenheit scheint, etwas völlig Neues zu versuchen. Insbesondere auch (überstandene) Krisen und harte Zeiten, wie Krankheiten, Scheidungen oder Mobbing am Arbeitsplatz, scheinen Veränderungen zu beflügeln.

Fragen, die die sich meine Kunden stellen

Genau dieses Phänomen beobachte ich aktuell in der Coronakrise bei meinen Kunden. Nach einer ersten Phase der Erstarrung und Überforderung haben sich viele gut „im neuen Alltag“ eingefunden. Sie machen alle auf ihre Weise das beste aus der Situation. Sie nutzen sogar die ruhigere Zeit, um zu reflektieren, in sich hineinzuhören und stellen sich diese Fragen:

  • Passt mein aktueller Job noch zu mir oder haben wir uns „auseinanderentwickelt“?
  • Wohin möchte ich langfristig im Berufsleben?
  • Kann ich meine Werte und Überzeugungen im Berufsalltag leben?
  • Kann ich mir vorstellen, diesen einen Job auch noch in 5 oder 10 Jahren zu machen?
  • Was würde besser zu mir passen? Wie finde ich das heraus?
  • Haben sich meine Wünsche und Träume, die ich zu Beginn meiner Laufbahn hatte, erfüllt?
Platzhalter

Jobfrust wird schnell zum privaten Frust.

Was hindert uns am Ausstieg?

Ich bin persönlich ein riesiger Fan von kritischer Reflektion, weil sie mich immer weiterbringt und für mich den ersten Schritt auf dem Weg in mehr Zufriedenheit darstellt. Sich mit einem Thema auseinanderzusetzen heißt übrigens nicht, dass zwingend eine Änderung stattfinden muss. Ein erleichterndes Ergebnis kann auch die Bestätigung sein, dass sich alles richtig anfühlt oder lediglich zu akzeptieren, dass möglicherweise noch nicht die Zeit gekommen ist, um an der Sache zu arbeiten.

Natürlich ist mir bewusst, dass berufliche Veränderungen ein oft langer Prozess sind. Für die Zahlenfans unter uns: Von der ersten kleinen Unzufriedenheit bis zum vollendeten Umstieg dauert es übrigens im Schnitt ganze 3 Jahre. Das klingt nach einem extrem langen Zeitraum, oder?

Deswegen fallen Umstiege so schwer und dauern so lange

Es gibt viele Gründe, um den Jobwechsel aufzuschieben oder gar niemals anzugehen:​

  • Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und fühlst sich besonders wohl in bekannten Umgebungen. Und auch wenn es dich nervt, jeden Tag um 8 Uhr auf dem gleichen verschlissenen Bürostuhl Platz zu nehmen und in die gleichen genervten Kollegengesichter zu blicken, so stellt es eben eine gewisse Beständigkeit und Berechenbarkeit dar. Schlicht: Du weißt, worauf du dich einlässt und womit du zu rechnen hast.
  • Es ist niemals alles schlecht. Oft verstehen wir uns gut mit den Kollegen, und haben im Laufe der Zeit auch die Zusatzleistungen des Arbeitgebers zu schätzen gelernt.
  • Aus der eigenen Komfortzone zu schlüpfen erfordert viel Mut. Der Arbeitsplatz bedeutet, Sicherheit zu haben, dass du deine Rechnungen zahlen kannst. Ich empfehle meinen Kunden niemals, einfach so – ohne tragfähigen Plan und ohne reifliche Überlegung – den sicheren Job aufzugeben und die Kündigung einzureichen, wenn keine Not vorliegt. Wir arbeiten stattdessen an einem tragfähigen geplanten Ausstieg, der zur individuellen persönlichen Lebenssituation passt.
  • Einflüsse von außen, also von Familie, Freunden, Nachbarn und Co. „Was sollen die Nachbarn sagen, wenn nicht mehr der schöne Dienstwagen vor dem Haus parkt?“ oder „Was passiert, wenn ich unserer Tochter nicht mehr die Studentenbude sponsern kann?“. Der Job ist nicht nur deine Einkommensquelle, sondern häufig auch ein Statussymbol, das für eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe steht.

Du siehst: Es gibt viele Aspekte, die du vor einem Jobwechsel beleuchten solltest. Aber eins kann ich dir aus meiner persönlichen Erfahrung – von meinen Kunden und auch von mir selbst – sagen:

Dein Frust wird nicht weniger werden. Im Gegenteil. Der möglicherweise noch kurze Zopf der Eingefahrenheit wird mit der Zeit wachsen und wachsen und irgendwann wird es immer schwieriger werden, ihn zu stutzen.

Warum solltest also nicht auch du die aktuelle Zeit nutzen, um deine berufliche Situation auf den Prüfstand zu stellen und die alten Zöpfe abzuschneiden?

Wenn du dafür meine Unterstützung möchtest, melde dich gern bei mir.

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